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Einige Sind Obdachlos

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Gibt es einen Diskurs im Deutschpunk oder wäre dessen Existenz ein Widerspruch in sich selbst? Wer sind Einige Sind Obdachlos und ist ihr vermeintliches Konzeptalbum Pfand in Sicht ein Statement pro Hyperkapitalismus oder contra Dosenstechen? Handelt es sich bei der Band mit dem kontroversen Namen um sozialdarwinistische Rich Kids mit zuviel Freizeit, oder stellen ihre Songs tiefe Reflektionen materieller Realitäten der heutigen Zeit dar?

Handelt es sich bei Pfand in Sicht überhaupt um ein Bandprojekt oder vielmehr um ein Produzentenalbum, wie es etwa im Hip-Hop üblich ist – nur im trügerischen Klanggewand einer übersteuerten Proberaumaufnahme? Sind das oft krumme musikalische Zusammenspiel, die mittelprächtig gesetzten Loops und die teils absurde Instrumentierung Ausdruck dilettantischer Unbeholfenheit oder handelt es sich hier um avantgardistisch gemeinten Metapunk? Sind das Hymnen oder Dekonstruktionen, und wenn ja, warum nicht?

Wie kamen die zahlreichen Gastbeiträge zustande – herrschte hier etwa die schnöde Berechnung vor, ein gut zu verkaufendes Showcase des Bremer Undergrounds zwischen Latenz, Fettherz Records und Erotik Toy Records zu schnüren oder verbindet die rund 20 auf dem Album musikalisch aktiven Personen etwas Tieferes wie eine soziale Einstellung oder ein niedriger Kontostand? Und was wollen Einige Sind Obdachlos mit diesem eklektischen Stilmix erreichen – sollte hier gar der größenwahnsinnige Versuch angestrengt werden, Dekaden der Punk-Evolution auf einem extrem kurzweiligen Tonträger zu vereinen?

Sind die in den Texten beschworenen Schnorrereien, Betrügereien und Exzesse das Salz oder das Haar in der Suppe – und wird diese in der Kunsthochschulmensa oder an der Tafel konsumiert? Ist diese Platte Gegenkultur ohne Anstand oder Ausdruck einer anspruchslosen Kultur ohne Gegenstand? Ist Stil gleichzusetzen mit Style und wenn der Style nicht echt ist, ist er dann falsch?

Auf Latenz. BC

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